Wenn das PDF von Hand gescribbelt wird

Am Samstag gehe ich ins Fußballstadion. Nicht in Berlin, sondern zu Berlin, in Wolfsburg. Und was hat das mit Digitalisierung zu tun? Ich habe natürlich online Tickets gekauft. Erster Aha-Effekt: Nachdem man sich durch alles durchgeklickt hat, gibt es die einzige Versandoption per Post. Das ist a) teuer und b) drei Tage vor dem Event doch ein bisschen risikobehaftet. Und kann das sein? Keine elektronischen Tickets im Jahr 2020? Des Rätsels Lösung: Man bekommt E-Tickets nur angeboten, wenn man sich als Kunde registriert. Oder anders formuliert: Convenience nur gegen persönliche Daten. Was einem aber niemand sagt, das kann man nur ausprobieren.

Aber gut, weiß man das, kann man die Tickets sogar per Paypal bezahlen. Modern, oder? Aber wer nach dem Abschluss des Bezahlvorgangs die Tickets runterladen und ausdrucken will, der wundert sich. Da steht dann um 9:54 Uhr: “Bestellung eingegangen”. Und um 10:21 Uhr bekommt man den Hinweis “Die Bestellung wird versendet”. Was noch in der selben Minute zur Nachricht führt, dass die Tickets jetzt zum Download bereitstehen. Da hat jemand einen analogen Prozess aber sehr 1:1 ins Digitale überführt.

Was ich mich aber frage: Was passiert mit der elektronischen Bestellung zwischen 9:54 Uhr und 10:21 Uhr? Sitzt da in der VfL-Geschäftsstelle jemand, der auf einem PC-Bildschirm angezeigt bekommt, der Andreas Streim hat gerade Tickets bestellt und bezahlt. Und dann tippt er das in einem anderen PC in die Auftragsausgangs-Anwendung eines namhaften Softwareherstellers ein? Oder sind die Datenleitungen so schmal bemessen, dass meine Ticket-Order innerhalb des VfL-Headquarters knapp 30 Minuten unterwegs sind? Oder ist da so großer Andrang, dass der Server der Wölfe überlastet ist und die PDF-Generierung einfach mal eben eine halbe Stunde dauert?

Ehrlich gesagt, mir fällt einfach keine plausible Erklärung ein. In einer Welt, die von Amazon & Co. geprägt ist und wir mit einem Klick etwas aus dem Katalog bestellen und bezahlen können und bei digitalen Produkten im selben Augenblick der Download startet, irritieren mich solche Abläufe immer etwas und man stellt sich unweigerlich die Frage: Ob wohl alles klappt? Aber jetzt kommt nach dem Digitalen das Analoge - und das liegt bekanntlich auf dem Platz. Hoffentlich liefern die Hertha-Kicker morgen dann wenigstens ein gutes Spiel ab.

Dieser Text ist als Einleitung zur Ausgabe #81 meines wöchentlichen Newsletters “Undisruptable Technology” erschienen, den man kostenlos hier abonnieren kann.

Tags
#Digitalisierung #Fussball #Online-Shopping
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