Achtung, (keine) Baustelle!

Ich bin in diesem Sommer viel Auto gefahren. Unter anderem einmal quer durch Deutschland. Da bekommt man noch einmal schön vergegenwärtigt, wie hierzulande Baustellen funktionieren: Erstmal wird ein möglichst langes Stück abgesperrt und der Verkehr auf schmaler aufgezeichnete Spuren umgeleitet. Irgendwo nach einer unendlichen Weite wird der ganze Kram auf die andere Seite umgeleitet und die andere Fahrspur abgesperrt. Und so bleibt das dann ein paar Monate. Oder länger.

Irgendwo auf der Weite dieser Absperrungen stehen dann diverse Baumaschinen, meist hübsch geordnet, herum. Und es gibt sogar Fälle, in denen sich Maschinen bewegen und Menschen dort arbeiten, etwa um eine neue Asphaltschicht aufzutragen.

Es geht aber auch anders. Und das - Achtung, an dieser Stelle brechen jetzt ein paar Klischees lautstark in sich zusammen - ausgerechnet in Italien.

Da sind wir an einem schönen Vormittag so gegen halb elf auf einer Landstraße (oder Bundesstraße oder was auch immer) unterwegs, als am Rand eine Warnschild auf eine nahende Baustelle hinweist. Eine Ampel soll auch kommen. Aha, einspurig, Bautellenampel. Na egal, man hat es nicht eilig und so viel Verkehr ist ja auch nicht.

Die Ampel entpuppt sich als Bauarbeiter, der die Autos auf unserer Seite mit einer orangen Fahne stoppt, währende die Gegenrichtung fahren darf. Irgendwann versiegt der Strom der entgegenkommenden Fahrzeuge und er winkt uns, loszufahren. Wir fahren jetzt auf dem geschätzt vielleicht ein Kilometer langem Stück Straße auf der Gegenfahrbahn und sehen eine ziemlich große, aber nicht allzu modern wirkende Maschine, die eine neue Teerschicht auf unserer Seite aufbringt.

Wie Teer bei 39 Grad im Schatten eigentlich hart wird frage ich mich bei dem Anblick. Aber dann sind wir auch schon vorbei und die Toskana bietet eine Vielzahl interessanterer Ausblicke als eine solche Baustelle, die schon wieder vergessen ist. Bis zur Rückfahrt.

Denn gegen 17 Uhr fahren wir auf der selben Strecke in die andere Richtung. Und ich frage mich plötzlich, ob die menschliche Ampelanlage eigentlich auch am Abend funktioniert oder wie die Italiener wohl jetzt dieses Baustellenproblem gelöst haben.

Die Antwort ist überraschend - und einfach zugleich: Es gibt keine Bautelle mehr. Um 17 Uhr ist auf dem vormittags abgesperrten Stück auf beiden Seite ein hübsche neues Stück Teer aufgebracht, von Baustelle keine Spur mehr. Wobei das nicht ganz stimmt. Ein Schild weiter vorne weist auf fehlende Fahrbanmarkierungen (kein Mittelstreifen) hin. Und es gibt eine leichte Welle beim Rauf- und Runterfahren des erneuerten Stücks. Offenbar wird hier keine defekte Schicht abgetragen, sondern einfach neu oben drauf gepackt.

Aber dafür ist die Baustelle genau an einem Tag abgearbeitet. Und bei der Weiterfahrt fallen eine ganze Reihe solcher neu gemachter, ungefähr einen Kilometer oder etwas länger geratene Teilstücke auf, die offensichtlich in jüngster Vergangenheit ausgebessert wurden.

Bevor mir aufgebrachte bundesrepublikanische Straßenbauigenieure schreiben: Ich bin ganz, ganz sicher, dass unsere gründliche Art des Straßenbaus ganz, ganz bestimmt eine Vielzahl von Vorteilen mit sich bringen. Doch so eintägige Straßenausbesserungsarbeiten bieten sicherlich auch eine Menge Vorzüge. Und sind für deutsche Autofahrer fast so bestaunenswert wie mittelalterliche Innenstädte oder glorreiche Castellos.

Tags
#Italien #Urlaub #Bauarbeiten
Auch interessant
Vorheriger Beitrag