Buchnotstand

Früher gab es diesen Moment im Urlaub, wo man das letzte mitgebrachte Buch gelesen hatte und dachte: Mist, hätte ich doch - Freigepäck hin oder her - noch ein, zwei weitere Exemplare eingepackt. Denn dann hieß es am Urlaubsort nach passender Lektüre Ausschau zu halten. Wer das mal in einem griechischen Dorf jenseits des (deutschen) Massentourismus versucht hat, weiß, was gemeint ist.

Dann kam Amazon mit dem Kindle und man konnte nicht nur auf schwere Bücher im Gepäck verzichten. Man konnte auch jederzeit und an jedem Ort der Welt einfach neue Bücher kaufen. Ein Paradies.

Wenn man aber einen Sohn im Urlaubsgepäck hat, der Bücher nicht liest, sondern sie verschlingt, dann ist selbst die Kindle-Lösung als Notfall-Lösung beim Ende der Papier-Exemplare (Kinder sollen doch bitte erstmal Bücher auf Papier lesen, bevor sie auf E-Books umsteigen) nicht ideal. Allein aus monetären Gründen. Erwähnte ich schon mal, dass ich es immer noch für Schwachfug halte, dass ein elektronisches Buch genauso viel kostet wie ein gedrucktes, obwohl seine Produktion deutlich billiger ist? Geschenkt.

Die Rettung ist jetzt für viele - auch für mich - vermutlich etwas überraschend: Es sind die Berliner Bibliotheken. Denn diese bieten ein umfangreiches digitales Angebot, zu dem nicht nur aktuelle Zeitungen und Zeitschriften aus aller Welt gehören, sondern auch die E-Book-Leihe.

Das heißt: Man kann, sofern man im Besitz eines Bibliotheksausweises ist (was auf den Sohn natürlich zutrifft) überall auf diesem Planeten E-Books ausleihen, sofern es Internet gibt. Also zum Beispiel einen weiteren Band von “Die Wilden Kerle”. Oder einen Kinder-Krimi.

Wobei, so ganz stimmt das nicht. Die Usability ist so ein bisschen… extravagant. Eben doch eher Berlin. Man meldet sich auf der Seite des Bibliotheken-Verbundes VOEBB an. Man wählt “Digitale Angebote”. Wann wählt E-Book-Leihe. Man meldet sich wieder an. Man sucht (begrenzt komfortabel) ein E-Book aus. Man wählt die Dauer der Leihe (bis maximal 21 Tage). Man lädt das Buch herunter.

So einfach kann Buchausleihen sein

Um das Buch zu lesen, muss man eine zusätzliche App namens “Adobe Digital Editions” herunterladen. Sie kann mit dem Rechtemanagement des E-Books umgehen, das man ja nur maximal 21 Tage lang lesen darf. Um sie zu nutzen braucht man eine Adobe-ID, für die man sich nochmal gesondert registrieren muss. Und dann in der App anmelden. Und dann endlich kann man das E-Book lesen.

Und dann stellt sich heraus, dass diese “Adobe Digital Editions”-App vermutlich ziemlich toll Rechtemanagement beherrscht, aber von der Usability verglichen mit einer Kindle-App oder anderen E-Book-Reader-Apps eher so naja ist. Die Schriftgröße zu verändern ist alleine schon eine Kunst für sich. Und viel mehr bietet die App dann auch nicht.

Aber gut, besser als in einem Buchladen in einem fremden Land nach interessanter Lektüre in einer Sprache zu suchen, die man leidlich versteht, ist es allemal. Und es ist aus Berlin, digital und funktioniert. Das ist doch wirklich mehr als man verlangen kann.

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#Urlaub #Bibliothek #Digitalisierung
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