Digitales Dänemark

Ich glaube ja, Dänemark wäre ein Eldorado für selbstfahrende Autos. Also vielleicht nicht ganz Dänemark, aber Lolland, da unten, ganz im Süden. Kaum Verkehr, wenig Straßen und irgendwie erinnert ohnehin alles mit seiner Gemütlichkeit an ein Märklin-Modell, in dem irgendjemand vergessen hat, die Bahnstrecke aufzubauen. Und selbstfahrende Autos würden gut zwischen die Windräder passen, denn eins muss man den Dänen schon lassen: sie sind digitaler, als man vielleicht glaubt. Das habe ich im letzten Urlaub gelernt, neben der Fähigkeit, eine Mausefalle zu bedienen. Aber das ist eine andere Geschichte und hat so gar nix mit Digitalisierung zu tun.

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Während man sich in Deutschland ja immer noch ein bisschen wie ein Exot vorkommt, wenn man bei einer Sehenswürdigkeit steht und erstmal einen Tweet absetzt oder eine kurze Statusmeldung bei Facebook verfasst, wird man dazu in Dänemark offensiv aufgefordert. Und zwar nicht von seinem Handy, sondern ganz trivial - durch ein Hinweisschild. Das einen bittet, doch die Info, dass man gerade hier ist, in Sozialen Netzwerken zu teilen.

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Ehrlich gesagt ist mir etwas Vergleichbares hierzulande noch nicht begegnet. Vielleicht bin ich aber auch zu wenig an touristischen Hotspots unterwegs, wenn ich nicht gerade im Urlaub bin.

Ein Burg-Center ohne Burg

Die Digitalisierung bietet den Dänen aber auch die Möglichkeit, ein Borgcenter zu errichten, obwohl sie eigentlich überhaupt keine Burg haben. Auf dem Hügel, auf dem mal eine Burg gewesen ist, steht eigentlich nur noch ein Turm. Also verglichen mit dem was Deutschland mancherorts so an Burgruinen und Burgen zu bieten hat: ein mickriger Rest. Was die Dänen daraus machen ist allerdings beachtlich.

Sie geben den Besuchern nämlich mit der Eintrittskarte einfach ein Tablet mit. Und mit dem kann man sich auf dem Gelände frei bewegen und bekommt an auf der Landkarte auf dem Tablet markierten Punkten Erklärungen, Filmchen gezeigt oder auch eine komplette 3D-Visualisierung der Burg-Kirche, die sich an dem Punkt einmal befunden hat und von der nur noch Linien auf dem Boden vorhanden sind.

Mit dem Tablet ins Mittelalter eintauchen

Am Ende fühlt sich das Erlebnis des Burg-Spaziergangs viel “authentischer” an als durch alte oder restaurierte Mauern zu gehen. Oder zumindest nicht viel weniger authentisch. Und im erhaltenen Turm zerbricht dank Filmprojektion und Digitaltricks plötzlich eine Wand durch einen Katapult-Beschuss und man steht mitten auf dem Schlachtfeld. Zugegeben, im ersten Moment bin ich ziemlich zusammengezuckt und die Erklärung hatte meine volle Aufmerksamkeit.

Die Tablets werden dann in der Ausstellung, die eigentlich auch nichts Besonderes zu bieten hat, für ausführliche Erklärungen zu den Exponaten genutzt. Für eine Reihe von ihnen gibt es sogar kindgerecht aufbereitete Geschichten, die in Art eines Hörspiels mit begleitenden Illustrationen Geschichten über gefundene Münzen oder Dolchklingen erzählt.

Kindgerechte Erklärungen via Tablet

Insgesamt eine beeindruckende Illustration, was heute schon mit Digitaltechnik geht. Wenn man sich jetzt vorstellt, was schon bald mit Virtual-Reality-Technologie möglich sein wird, dann kann man nur hoffen, dass die Dänen das bald adaptieren.

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